"Gut" oder "Schlecht"?

Bei meiner Arbeit als Freie Lektorin & Präsenzcoach werden mir, Natalie, oft Fragen gestellt wie: „Ist das, was ich schreibe, denn gut genug?“ oder „Wie komme ich darauf, dass meine Geschichte überhaupt irgendjemanden interessieren könnte?“... Für mich als Kulturwissenschaftlerin sagen solche Fragen meist mehr über gesellschaftliche Prägungen und individuelle Denkmuster aus als über die eigentliche „Qualität“ eines Textes.

 

"Gut" oder "schlecht"? - Lassen wir Bewertungsgewohnheiten für einen Moment hinter uns

 

Wenn der Druck sinkt und niemand sagt, das ist "richtig" oder das ist "falsch", beginnt ein wunder-voller Prozess ... Es darf sich zeigen, was IN DIR zunächst einmal gesehen und angenommen werden möchte. Durch das freie Schreiben ohne Leistungsdruck oder automatisiertes "Mangeldenken" wird im wahrsten Sinne des Wortes etwas "sichtbar" und damit (be-)greifbar, was Dich vorher möglicherweise unbewusst blockierte. Doch an einen solchen Vorgang des "Sich-selbst-bewusst-Werdens" oder "-Seins" sind wir schlicht nicht gewöhnt! Viele Menschen halten es kaum aus, diese Selbstehrlichkeit zuzulassen und zu erfahren, wo sie vielleicht noch zu "schlecht" oder zu "gut" von sich selbst denken. Wirklich hinzusehen, hinzuspüren - wie es mit dem authentischen Aufschreiben ohne Selbstzensur im ersten Schritt geschieht - kann zunächst auch Angst machen.

 

Ehrlich in den Spiegel schauen - Gefühle wandeln

 

Indem wir vor uns selbst zugeben, was wir gerade fühlen, erkennen wir uns selbst an - so wie wir gerade da sind. Und manchmal sind wir eben nicht wirklich DA - in liebevoller Selbstannahme.

 

Es geht überhaupt nicht darum, alles, was wir auf diese Weise schreiben, mit der Welt zu teilen. Für mich geht es bei dieser Form des "herzraumweitenden Schreibens" in erster Linie darum, etwas vor mir selbst darzustellen, damit ich damit bewusst tun kann, was ich WILL. Nämlich zum Beispiel mit dem Gefühl, das der Vorstellung folgt: "Ich kann das nicht" umgehen lernen und es etwa wandeln in: "Doch, ich schaffe das", oder einfach in ein: "Ich nehme mich selbst an, egal, was ich schreibend leiste oder nicht leiste." ...  

 

Bei vielen Menschen liegt das intuitive Vertrauen in den ureigenen Ausdruck, die sprudelnde Kraft der Kreativität unter einem Haufen alter Prägungen verborgen. Vielleicht hat jemand einmal zu ihren gesagt, sie könnten etwas nicht, das sie gerade tun wollen, zum Beispiel Schreiben. Vielleicht haben sie es sich selbst nicht zugetraut oder sie haben resigniert, weil sie mit ihrem ehrlichen Anliegen nicht verstanden wurden ...

 

Egal, was es war oder ist, welchen oder wessen "Maßstab" setzt DU heute an DICH an? Kann jemand anderes besser als Du selbst im jeweiligen Moment wissen, wer Du wirklich bist und wo Du im Leben hinwillst? Kann er oder sie wissen, was sich für Dich gut anfühlt und was Du mit der Welt teilen willst oder nicht und warum? Wer bist Du JETZT und wer willst Du sein? - unabhängig von der Meinung anderer?

 

Wichtig: Es geht beim Aufschreiben und gewahr werden solcher Gefühle und Gedanken in keinster Weise um Schuldzuweisungen an andere oder an sich selbst, sondern um die Möglichkeit, die Zusammenhänge für sich selbst heute aufzudecken und sie ggf. aufzulösen. Es geht um die Frage, ob wir uns als heute erwachsene Menschen trauen, eigenverantwortlich ganz genau hinzusehen, hinzufühlen und aus dieser inneren Klarheit und Verbundenheit mit uns selbst ins authentische Handeln zu kommen! Auf unseren Herzensweg, hin zu unserem Herzensstext, dem Ausdruck, den wir für dieses Leben wählen WOLLEN.

 

Was ist da? Was fühlst Du gerade und warum? Glaubst Du, dass es sich durch die Selbstbedienung im Schreiben wandeln kann? Was möchtest Du umsetzen, oder besser, ausprobieren, um deine eigenen Erfahrungen zu machen und sie zu teilen?

 

Gerne halte ich für Dich einen bewertungsfreien Raum, um Dich dabei zu unterstützen Dich, Dein Herzensanliegen aufs Papier & in die Welt zu bringen!

 

Foto:

Kontinuum Art

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Martina Gödde (Dienstag, 24 März 2020 09:08)

    Liebe Natalie, ich finde es sehr mutig von Dir so öffentlich zu schreiben. Ich habe bei WordPress unter tinka.bike einen blog. Ich schreibe nicht täglich, da ich merke, dass ich sehr ehrlich schreibe. Ich frage mich, ob ich möchte, dass alle lesen können was ich denke?
    Für das ganz private führe ich noch ein Tagebuch ��
    Liebe Grüße von Martina

  • #2

    Natalie Nicola// Schreib-Vielfalt (Dienstag, 24 März 2020 10:11)

    Liebe Martina, dankeschön, ja, - das ist wohl Klarheit. Zu entscheiden, was braucht besonderen Schutz und was möchte als Prozess geteilt werden, um auch anderen möglicherweise díenlich zu sein. Allen, die damit gerade etwas anfangen wollen und können.

    Fühlendes Schreiben (be)stärkt allemal! - Und ebensolches Lesen auch :)

    Liebe Grüße zurück,
    Natalie