Teil 7 - Das eigene Buch in Händen halten - ein unbeschreibliches Gefühl

 

Von meinen 360 Seiten geschriebenen sind letztlich nur 248 von der Verlagslektorin gekürzte Seiten übriggeblieben. Ups, denke ich wieder einmal. Mir scheint, ich kann doch nichts, denn das, was alles verändert, geschliffen und in Form gebracht wurde, empfinde ich als drastisch und nur noch bedingt als mein Werk. Verzweifelt suche ich meinen eigenen Ausdruck und mich selbst zwischen den Zeilen – und finde mich wieder. Passend gemacht und in Form gebracht zwar, aber ich bin noch da. Es ist so, als gehe man langhaarig zum Friseur und kehre, ohne dem Friseur entsprechende Anweisungen gegeben zu haben, mit einem Kurzhaarschnitt zurück. Bei jedem Blick in den Spiegel fragt man sich, ob man es selbst noch ist und es dauert Tage, wenn nicht gar Wochen, bis man sich an sein Erscheinungsbild gewöhnt hat.

 

Passend gemacht

 

Und so hat es auch bei mir gedauert, bis ich das Erscheinungsbild des Buches akzeptiert hatte und damit beginnen konnte die neue Fassung zu überarbeiten. Fast auswendig konnte ich die Texte aufsagen, als ich das Manuskript zur Weiterbearbeitung freigegeben hatte. Mit gemischten Gefühlen gebe ich es nach der Bearbeitung erneut aus den Händen. Vertragsbedingt hat der Verlag die Rechte und so unterliegen weder Titel und Layout in meinem Gestaltungsrahmen. „Pass auf was, was du fühlst!“ – Ein Grundkurs im Ja- und Nein sagen, ist der Titelvorschlag, der mir unterbreitet wird. Ich hadere zunächst, doch hadern bringt wenig, wenn man keine Rechte mehr hat und so lasse ich geschehen. Ich gehe den Weg, den jede unerfahrene Verlagsautorin geht – selbst, wenn ich nicht wirklich eine bin. Ich bin eine verlagsgeknüpfte Selfpublishing Autorin mit einem Autorinnenvertrag und bin mir damals schon nicht mehr sicher, ob die Verlagsanbindung zukünftig mein Weg sein wird. Denn dieser Weg scheint mir zu begrenzend, zu fremdbestimmt und zu eingeschränkt, auch damals schon. Aus meiner Sicht funktionieren die Verlagsgesetze nach dem Prinzip: was nicht passt, wird passend gemacht, damit ein Buch gut zum öffentlichen Erscheinungsbild des Verlages, nicht jedoch zum Schreibenden oder dessen Wünschen passt. Und das ist völlig legitim. Der Verlag bedient das, was der Leserschaft bereits bekannt ist und vermutlich auch von ihr erwartet wird. Denn wir bleiben doch alle gerne bei dem, was uns vertraut ist und wir bereits kennen, oder?

 

Kreativer Spielraum

 

Doch diese Haltung, so denke und fühle ich, vermindert den kreativen Spielraum und langfristig auch eine innovative Entwicklung in der Buchbranche. Das Verlagswesen scheint unverrückbar in Stein gemeißelt, so jedenfalls ist mein Eindruck. Wenn alles immer so bleibt, wie es ist, bleibt die Weiterentwicklung nicht selten mit auf der Strecke. Doch das ist damals noch nicht mein Thema, denn ich erfreue mich daran, dass es mit meinem Buchprojekt vorangeht, dass es gesetzt und gedruckt wird. Es ist ein Gefühl wie Weihnachten und ich bin wieder fünf Jahre alt, als ich mit schwitzigen Fingern den riesigen Karton öffne. In ihm befinden sich 150 Bücher - meine Bücher! Ein Hochgefühl, das von Freudentränen untermalt wird, durchströmt mich bis in die kleinen Zehen hinein. Ich klappe den Karton auf, nehme ein Exemplar hinaus, halte es stolz und ungläubig zugleich in Händen. „Pass auf, was du fühlst!“- mein erstes Buch. Da ist es! Endlich. Und ja, ich passe auf, was ich fühle. Ich fühle mich großartig, denn ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Jetzt muss ich mich erstmal hinsetzen, durchatmen und verdauen und in stiller Freude verweilen.

 

Und was fühlst du? 

 

Hier geht's zu Teil 1 der Buchentstehungsgeschichte ...

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0